Männliche Unfruchtbarkeit: Die häufigsten Ursachen und was Sie dagegen tun können
Männliche Unfruchtbarkeit ist für 30 bis 40 % aller Fruchtbarkeitsprobleme bei Paaren verantwortlich. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist weltweit jede sechste Person im zeugungsfähigen Alter zumindest zeitweise von Unfruchtbarkeit betroffen — das sind rund 17,5 % der Bevölkerung.
In Deutschland war männliche Unfruchtbarkeit im Jahr 2022 mit 33,8 % die häufigste Indikation für eine IVF-Behandlung. Trotzdem bleibt das Thema für viele Männer ein Tabu. In diesem Leitfaden erfahren Sie, welche Ursachen hinter männlicher Unfruchtbarkeit stecken, wie die Diagnose abläuft und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Wie wird männliche Unfruchtbarkeit definiert?
Die WHO definiert Unfruchtbarkeit als das Ausbleiben einer Schwangerschaft trotz mindestens 12 Monaten regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs. Bei Paaren, in denen die Frau über 35 Jahre alt ist, spricht man bereits nach 6 Monaten von Unfruchtbarkeit. Wichtig zu wissen: Die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch verteilen sich etwa gleichmäßig — rund 30 % liegen bei der Frau, 30 % beim Mann und in 20 % der Fälle bei beiden Partnern. Bei den restlichen 20 % bleibt die Ursache ungeklärt.
Egal, ob Sie versuchen, schwanger zu werden, oder in Betracht ziehen, Ihr Sperma zu spenden — das Verständnis der häufigsten Ursachen von männlicher Unfruchtbarkeit kann Ihnen helfen, rechtzeitig die richtigen Schritte einzuleiten.
Welche Probleme mit dem Sperma führen zu männlicher Unfruchtbarkeit?
Männliche Unfruchtbarkeit ist in den meisten Fällen das Ergebnis von Problemen mit der Qualität, Menge oder Funktion der Spermien. Die WHO hat Richtwerte definiert, die ein gesundes Spermiogramm ausmachen: mindestens 15 Millionen Spermien pro Milliliter Ejakulat, ein Gesamtvolumen von mindestens 1,5 Millilitern und mindestens 4 % morphologisch normale Spermien.
Die häufigsten Spermienprobleme sind:
Azoospermie bedeutet, dass der Körper überhaupt kein Sperma produziert oder dass produziertes Sperma aufgrund einer Blockade oder Verletzung nicht ejakuliert werden kann. Dieser Zustand betrifft etwa 5 % der unfruchtbaren Männer. Bei manchen Betroffenen können Spermien direkt aus dem Hodengewebe gewonnen werden (TESE-Verfahren).
Oligospermie bezeichnet eine zu geringe Spermienzahl — weniger als 15 Millionen pro Milliliter — die eine natürliche Befruchtung der Eizelle erschwert. Ursachen können Hormonstörungen, Hodenhochstand in der Kindheit, Drogenkonsum oder bestimmte Erkrankungen sein.
Auch bei ausreichender Spermienmenge können Probleme mit der Morphologie (Form) oder der Motilität (Beweglichkeit) vorliegen. Eine Meta-Analyse aus dem Fachjournal Human Reproduction Update zeigt, dass die Spermienkonzentration bei Männern in westlichen Industrieländern seit Jahrzehnten kontinuierlich abnimmt — ein besorgniserregender Trend, dessen genaue Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind.

Welche Ejakulationsstörungen verursachen männliche Unfruchtbarkeit?
Neben der Spermienqualität können auch Störungen beim Transport der Spermien eine Ursache für männliche Unfruchtbarkeit sein:
Eine Blockade der Ejakulationsgänge (Ejaculatory Duct Obstruction, EDO) verhindert, dass produziertes Sperma ejakuliert wird. Diese Blockade kann durch Verletzungen, Infektionen oder angeborene Fehlbildungen entstehen und ist in 1 bis 5 % der Fälle männlicher Unfruchtbarkeit die zugrunde liegende Ursache.
Bei der vorzeitigen Ejakulation erfolgt der Samenerguss vor der vaginalen Penetration, was eine natürliche Befruchtung erschwert. Ursachen können Prostataprobleme, psychische Belastungen oder bestimmte Medikamente sein.
Die retrograde Ejakulation ist ein seltenes Phänomen, bei dem das Sperma in die Blase zurückfließt, anstatt aus dem Penis auszutreten. Sie kann durch Diabetes, bestimmte Medikamente oder Operationen im Beckenbereich verursacht werden.
Die erektile Dysfunktion (Impotenz) — die Unfähigkeit, eine ausreichende Erektion für den Geschlechtsverkehr zu bekommen oder aufrechtzuerhalten — macht eine natürliche Empfängnis sehr schwierig oder unmöglich. Sie tritt meist aufgrund gesundheitlicher Probleme (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes) auf, kann aber auch psychische Ursachen haben.
Wie beeinflussen Varikozelen die männliche Fruchtbarkeit?
Varikozelen — vergrößerte Krampfadern im Hodensack — entwickeln sich bei etwa 15 % der erwachsenen Männer und gehören zu den häufigsten behandelbaren Ursachen für männliche Unfruchtbarkeit. Diese erweiterten Venen können die Temperatur im Hodensack erhöhen, was die Spermienproduktion, -qualität und -beweglichkeit beeinträchtigt. In manchen Fällen führen Varikozelen auch zu einer Schrumpfung der Hoden.
Die gute Nachricht: Varikozelen lassen sich in der Regel operativ behandeln. Nach einer erfolgreichen Varikozelektomie verbessert sich die Spermienqualität bei vielen Männern deutlich.
Welche anderen Ursachen gibt es für männliche Unfruchtbarkeit?
Vasektomie und deren Folgen
Nach einer Vasektomie entwickeln einige Männer Antikörper gegen ihre eigenen Spermien. Diese können die Beweglichkeit der Spermien reduzieren oder sie sogar zerstören. Eine Refertilisierung (Wiederherstellung der Samenleiter) ist möglich, aber nicht immer erfolgreich — die Erfolgsquote hängt stark davon ab, wie lange die Vasektomie zurückliegt.
Bestimmte Medikamente
Wenn Sie Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden, lohnt ein Blick auf Ihre aktuellen Medikamente. Arzneimittel zur Behandlung von Krebs (Chemotherapie), Bluthochdruck, Arthritis, Depressionen und bestimmte Antibiotika können die Spermienproduktion oder -qualität beeinträchtigen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Alternativen, bevor Sie Medikamente eigenmächtig absetzen.
Genetische Ursachen
Angeborene genetische Störungen wie das Klinefelter-Syndrom (betrifft etwa 70.000 bis 80.000 Männer in Deutschland) oder Mikrodeletionen auf dem Y-Chromosom können die Spermienproduktion stark einschränken. Bei einer Azoospermie lässt sich bei 13 bis 15 % der Männer eine Chromosomenanomalie nachweisen. Eine genetische Abklärung durch eine einfache Blutuntersuchung ist besonders bei stark eingeschränkter Spermienqualität empfehlenswert.
Hormonstörungen
Die Hormone FSH und LH, die von der Hirnanhangsdrüse freigesetzt werden, steuern die Spermienproduktion im Hoden. LH sorgt für die Testosteronproduktion, FSH wirkt direkt auf die Neubildung von Spermien. Störungen in diesem System können die männliche Fruchtbarkeit erheblich beeinträchtigen. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über mögliche hormonelle Ungleichgewichte.
Wie beeinflusst der Lebensstil die männliche Fruchtbarkeit?
Ihr Lebensstil hat einen erheblichen Einfluss auf Ihre Fruchtbarkeit — und ist gleichzeitig der Bereich, in dem Sie am meisten selbst bewirken können:
Rauchen reduziert die Spermienzahl, -beweglichkeit und -morphologie erheblich. Alkoholkonsum über zwei Drinks pro Tag beeinträchtigt den Hormonhaushalt und die Spermienqualität. Drogen wie Cannabis, Kokain und insbesondere Anabolika haben stark negative Auswirkungen auf die Spermienproduktion.
Eine schlechte Ernährung — insbesondere mit vielen raffinierten Kohlenhydraten — kann zu Fruchtbarkeitsproblemen führen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Fisch, Nüssen und Vollkornprodukten unterstützt die Spermiengesundheit. Nährstoffe wie Zink, Selen, Vitamin C, Vitamin E und Omega-3-Fettsäuren können die Spermienqualität nachweislich verbessern.
Übergewicht, Untergewicht und Fettleibigkeit beeinflussen das Fortpflanzungssystem negativ. Rund 12 % aller Unfruchtbarkeitsfälle lassen sich auf Gewichtsprobleme zurückführen. Bereits eine Gewichtsreduktion von 10 % kann die Fruchtbarkeit messbar steigern.
Auch Hitzeeinwirkung auf die Hoden — durch enge Hosen, häufige Saunagänge, Sitzheizungen oder Laptops auf dem Schoß — kann die Spermienqualität beeinträchtigen. Und chronischer Stress stört den Hormonhaushalt und kann die Spermienproduktion hemmen.
Wie wird männliche Unfruchtbarkeit diagnostiziert und behandelt?
Wenn nach 12 Monaten ungeschütztem Verkehr (6 Monate bei Frauen über 35) keine Schwangerschaft eintritt, sollten beide Partner untersucht werden. Für den Mann umfasst die Diagnostik beim Urologen oder Andrologen ein ausführliches Anamnesegespräch, eine körperliche Untersuchung mit Ultraschall, ein Spermiogramm und gegebenenfalls Hormon- und Genanalysen.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache:
Bei Varikozelen, Blockaden der Samenwege oder einer früheren Vasektomie kann ein operativer Eingriff die Fruchtbarkeit wiederherstellen. Hormonelle Störungen werden häufig medikamentös behandelt — in spezialisierten Zentren wird über die Hälfte aller Männer mit Spermienproduktionsstörungen zunächst hormonell therapiert, bevor eine künstliche Befruchtung in Betracht gezogen wird.
Bei mäßig eingeschränkter Spermienqualität kommt eine künstliche Befruchtung (IUI) infrage. Bei stärkeren Einschränkungen sind In-Vitro-Fertilisation (IVF) oder Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) die Methoden der Wahl. Bei einer Azoospermie können Spermien mittels TESE direkt aus dem Hoden gewonnen werden.
Wenn trotz aller Behandlungen keine Zeugung mit eigenen Spermien möglich ist, bietet die Verwendung von Spendersamen eine bewährte Alternative. Die Plattform Co-Eltern.de, Europas führende Co-Parenting-Plattform mit über 150.000 Nutzern seit 2008, hilft Paaren bei der Suche nach einem bekannten Samenspender oder Co-Elternteil — ein persönlicherer Weg als die anonyme Samenbank.
Häufig gestellte Fragen zur männlichen Unfruchtbarkeit
Wie häufig ist männliche Unfruchtbarkeit?
Männliche Unfruchtbarkeit ist für 30 bis 40 % aller Fruchtbarkeitsprobleme bei Paaren verantwortlich. Laut WHO ist weltweit jede sechste Person zumindest zeitweise von Unfruchtbarkeit betroffen. In Deutschland war männliche Unfruchtbarkeit 2022 mit 33,8 % der häufigste Grund für eine IVF-Behandlung.
Kann man männliche Unfruchtbarkeit heilen?
Das hängt von der Ursache ab. Varikozelen, Blockaden und hormonelle Störungen sind oft behandelbar. Lebensstiländerungen (Ernährung, Gewicht, Rauchstopp) können die Spermienqualität innerhalb von drei Monaten verbessern. Bei schwerer männlicher Unfruchtbarkeit ermöglichen assistierte Reproduktionsverfahren wie IVF, ICSI oder TESE dennoch eine Schwangerschaft.
Nimmt die Spermienqualität weltweit ab?
Ja. Eine Meta-Analyse im Fachjournal Human Reproduction Update zeigt einen kontinuierlichen Rückgang der Spermienkonzentration in westlichen Industrieländern. Die WHO hat ihre Mindestanforderung an morphologisch normale Spermien bereits von zwei Dritteln auf nur noch 4 % gesenkt. Die genauen Ursachen — vermutlich eine Kombination aus Umweltfaktoren, Lebensstil und Ernährung — werden noch erforscht.
Was kann ich selbst gegen männliche Unfruchtbarkeit tun?
Viel. Verzichten Sie auf Nikotin und Drogen, reduzieren Sie Alkohol, ernähren Sie sich ausgewogen (Zink, Selen, Omega-3), halten Sie ein gesundes Gewicht und vermeiden Sie Hitzeeinwirkung auf die Hoden. Verbesserungen zeigen sich nach etwa drei Monaten — dem Produktionszyklus neuer Spermien.
Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?
Wenn nach 12 Monaten regelmäßigem, ungeschütztem Verkehr keine Schwangerschaft eingetreten ist. Bei Männern über 35 oder bei bekannten Risikofaktoren (Hodenhochstand, Mumps, Operationen im Beckenbereich) empfiehlt sich eine frühere Abklärung. Der Gang zum Urologen oder Andrologen ist der erste Schritt — und das Erstgespräch wird von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.
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