Rechtliche Anerkennung von zwei Vätern als Eltern: Das wegweisende BGH-Urteil

Zwei Väter halten positiven Schwangerschaftstest und freuen sich über Familienzuwachs

Können zwei Väter in Deutschland als rechtliche Eltern eines Kindes anerkannt werden? Ja — zumindest in bestimmten Fällen. In einem wegweisenden Urteil hat der Bundesgerichtshof (BGH) erstmals die Eintragung eines homosexuellen Paares als Eltern im Geburtenregister angeordnet. Zum Wohle des Kindes entschied das Gericht zugunsten der beiden Männer. Damit hat das Kind ab dem Tag seiner Geburt zwei Väter als rechtliche Elternteile. Auf Co-Eltern.de, dem Netzwerk für Co-Elternschaft und Samenspende seit 2008 mit über 150.000 Nutzern, erklären wir die Hintergründe dieses Urteils, die rechtliche Lage in Deutschland und die Bedeutung für gleichgeschlechtliche Familien.

Wie wurden zwei Väter erstmals im Geburtenregister eingetragen?

Das Kind der beiden Väter wurde in Kalifornien von einer amerikanischen Leihmutter geboren. Der Spendersamen stammte von einem der beiden deutschen Männer. Die Vereinigten Staaten gehören zu den wenigen Ländern, in denen die kommerzielle Leihmutterschaft legal ist. Nach der Geburt ließen sich die Lebenspartner in den USA als rechtliche Väter eintragen. Die Leihmutter erhielt damit keinerlei elterliche Rechte oder Pflichten — so war es von Anfang an vertraglich vereinbart.

Als die beiden Väter nach Deutschland zurückkehrten, wollten sie sich auch hier als rechtliche Eltern des Kindes eintragen lassen. Das Standesamt in Berlin wies den Antrag ab. Der Grund: Das deutsche Recht unterscheidet sich in Bezug auf Leihmutterschaft grundlegend von der US-Gesetzgebung. In Deutschland und den meisten europäischen Ländern ist Leihmutterschaft verboten. Als Mutter gilt nach § 1591 BGB die Frau, die das Kind geboren hat — selbst wenn im Falle einer Eizellspende keinerlei biologische Verwandtschaft besteht.

Warum entschied der BGH zugunsten der zwei Väter?

Die beiden Männer klagten gegen die Entscheidung des Standesamtes. In erster und zweiter Instanz blieben sie erfolglos. Erst vor dem Bundesgerichtshof erhielten sie den erhofften Zuspruch. Das BGH-Urteil überraschte viele Juristen, doch die Begründung war klar: Die Entscheidung wurde ausschließlich zum Wohle des Kindes getroffen. Die kalifornische Leihmutter hatte keinerlei Interesse an dem Kind. Würde die deutsche Rechtsordnung die amerikanische Elternschaftsregelung nicht anerkennen, entstünde ein sogenanntes „hinkendes Verwandtschaftsverhältnis“ — eine Situation, in der das Kind in den USA zwei Väter als Eltern hat, in Deutschland aber rechtlich keine oder nur einen Elternteil.

Dieses rechtliche Vakuum würde nach Auffassung des BGH nur einer Person schaden: dem Kind. Der Grundsatz des Kindeswohls (Art. 6 Abs. 2 Grundgesetz) gab letztlich den Ausschlag. Beide Lebenspartner mussten als rechtliche Eltern im Geburtenregister eingetragen werden. Damit war der Weg frei für die rechtliche Anerkennung von zwei Vätern als Elternpaar in Deutschland — zumindest in diesem konkreten Fall.

Wird dieses Urteil zum Präzedenzfall für zwei Väter in Deutschland?

Ob das BGH-Urteil Auswirkungen auf ähnliche Fälle hat, bleibt abzuwarten. In Bezug auf Leihmutterschaft wird in Deutschland weiterhin von Fall zu Fall entschieden. Da sich das kalifornische Recht grundlegend vom deutschen unterscheidet, ist die pauschale Anerkennung der Elternschaft für homosexuelle Lebenspartner bei Leihmutterschaft nicht automatisch gegeben. Gleiches gilt für die Anerkennung der Mutterschaft einer Frau, die das Kind nicht selbst geboren hat.

Dennoch hat das Urteil eine wichtige Signalwirkung. Es zeigt, dass deutsche Gerichte bereit sind, das Kindeswohl über formale Rechtsvorschriften zu stellen, wenn die Alternative dem Kind schaden würde. Für Regenbogenfamilien in Deutschland ist das ein ermutigendes Zeichen — auch wenn der Weg zur vollständigen rechtlichen Gleichstellung noch lang ist.

Wie ist die aktuelle Rechtslage für zwei Väter in Deutschland?

Die rechtliche Situation für gleichgeschlechtliche Eltern in Deutschland hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, ist aber noch nicht auf dem Niveau anderer europäischer Länder. Seit 2017 können gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland heiraten. Die Stiefkindadoption ermöglicht es dem nicht-leiblichen Elternteil, das Kind des Partners zu adoptieren — ein oft langwieriger und bürokratischer Prozess. Laut LSVD (Lesben- und Schwulenverband) fordert die Community seit Jahren eine automatische Mitelternschaft ab Geburt, wie sie in Ländern wie den Niederlanden oder Dänemark bereits existiert.

Für schwule Paare, die in Deutschland eine Familie gründen möchten, bleiben die Optionen begrenzt. Da Leihmutterschaft verboten ist, kommen vor allem die Co-Elternschaft oder eine Adoption infrage. Auf Co-Eltern.de finden gleichgeschlechtliche Paare und Singles Menschen, die denselben Kinderwunsch teilen — ob als Co-Elternteil oder als Samenspender.

FAQ: Häufige Fragen zu zwei Vätern als Eltern

Können zwei Väter in Deutschland ein Kind adoptieren?

Ja, seit der Einführung der Ehe für alle im Oktober 2017 können gleichgeschlechtliche Ehepaare gemeinsam ein Kind adoptieren. Auch die Stiefkindadoption ist möglich, wenn ein Partner bereits ein leibliches Kind hat. Der Adoptionsprozess kann jedoch ein bis drei Jahre dauern.

Ist Leihmutterschaft für zwei Väter in Deutschland erlaubt?

Nein. Leihmutterschaft ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz verboten. Zwei Väter, die diesen Weg wählen möchten, müssen ins Ausland gehen — etwa in die USA, nach Kanada oder Griechenland. Die Anerkennung der im Ausland begründeten Elternschaft in Deutschland ist jedoch nicht garantiert und muss im Einzelfall geprüft werden.

Was ist Co-Elternschaft als Alternative für zwei Väter?

Bei der Co-Elternschaft gründen zwei oder mehr Personen gemeinsam eine Familie, ohne in einer romantischen Beziehung zu leben. Für schwule Männer kann das bedeuten, mit einer Frau oder einem lesbischen Paar ein Kind zu bekommen und die Elternschaft zu teilen. Auf Co-Eltern.de können zwei Väter gezielt nach einer Co-Mutter suchen.

Werden zwei Väter automatisch ins Geburtenregister eingetragen?

Nein, nicht automatisch. In Deutschland wird zunächst die Frau als Mutter eingetragen, die das Kind geboren hat. Der biologische Vater kann die Vaterschaft anerkennen. Der zweite Vater muss das Kind über die Stiefkindadoption adoptieren — ein Verfahren, das mehrere Monate dauern kann. Das BGH-Urteil zur Anerkennung von zwei Vätern betraf einen Sonderfall mit im Ausland begründeter Elternschaft.

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