Leben in zwei Haushalten: So funktioniert das Wechselmodell
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Scheidung, Co-Elternschaft, Patchwork-Familie – und glücklich? Nicht nur innerhalb eines traditionellen Familienmodells wachsen glückliche Kinder auf. Auch Scheidungskinder, Regenbogenkinder und Patchwork-Kinder können ein tolles, inniges und abwechslungsreiches Familienleben mit beiden Elternteilen genießen. Durch das Wechselmodell und dem Leben in zwei Haushalten ist es möglich, mit beiden Eltern trotz getrennter Wohnungen den Alltag zu erleben.

Das Familienleben in zwei Haushalten

Eine Scheidung muss nicht bedeuten, dass das Kind fortan jedes zweite Wochenende den Vater besucht und sich die Vater-Kind-Beziehung verschlechtert. Stattdessen können sich die Eltern zu Co-Eltern zusammenraufen und gemeinschaftlich das Kind erziehen – mit allen Rechten und Pflichten. Dabei verbringt jeder Elternteil die Hälfte der Zeit mit dem Kind, auch unter der Woche. Dieser Wechsel zwischen den Elternteilen wird als Wechselmodell bezeichnet. Dabei lebt das Kind die Hälfte der Zeit beim Vater, die andere Hälfte bei der Mutter.

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Beispielsweise kann das Kind zwei Wochen beim Vater und anschließend zwei Wochen bei der Mutter verbringen. Möglich ist auch, dass das Kind je nach Wochentag beim Vater oder bei der Mutter lebt. Damit das funktioniert, sollten die Wohnungen der Eltern in unmittelbarer Nähe zueinander liegen. Der Alltag darf durch den Wechsel nicht unterbrochen werden – Schule, soziale Kontakte, Vereine oder Orchester müssen von beiden Wohnorten gut erreichbar sein. Soll das Kind eine feste Wohnung haben, können stattdessen die Eltern den Haushalt wechseln. Dann haben die Eltern neben der „Familienwohnung“ noch jeweils eine eigene Wohnung für sich.

So gestaltest du den Alltag in zwei Haushalten

Durch das Wechselmodell gibst du deinem Kind die Möglichkeit eine innige Beziehung zu beiden Elternteilen aufrechtzuerhalten. Das Kind erlebt trotz einer Trennung den Alltag mit Vater und Mutter. Doch natürlich bedeutet das Leben in zwei Haushalten einen deutlichen Mehraufwand: Die Eltern müssen sich gut Koordinieren und Zusammenarbeiten. Absprachen müssen eingehalten werden. Das Einkommen muss gesichert sein und die Arbeitszeiten dürfen der Kindererziehung nicht im Weg stehen. Kümmern sich beide Elternteile zu 50 % der Zeit um das Kind, hat keiner einen Anspruch auf Unterhalt.

Die Karriere muss eventuell für das Kind hintenangestellt werden, denn eine Vollzeitarbeit ist nur schwer mit dem Wechselmodell vereinbar. Ideal ist, wenn beide Partner eine 70%-Stelle haben oder durch Schichtarbeit nachmittags und abends Zuhause sein können. Die Fahrt zur Schule, zu Freunden oder zum Verein muss trotz Arbeit möglich sein. Doch anders als bei Alleinerziehenden sind die Eltern bei der gemeinschaftlichen Kindeserziehung nicht auf sich allein gestellt. Im Notfall sollten die Co-Eltern füreinander einspringen können.

Gemeinsam den Alltag erleben

Haben  die Co-Eltern ein freundschaftliches Verhältnis zueinander, ist es möglich, die Freizeit miteinander zu verbringen. So können Geburtstage, Feiertage, Weihnachten und Ostern zusammen verbracht werden. Für das Kind ist diese Alltagsgestaltung schön: Trotz Scheidung oder Trennung erleben die Kinder ein intaktes, harmonisches Familienleben.

Kleinkinder sollten nach einer Trennung nicht sofort in das Wechselmodell geworfen werden, da sie der plötzliche Verlust eines Elternteils verunsichern könnte. Besser sind häufige Besuche eines Elternteils. Ob dann einzelne Wochentage oder eine gesamte Woche bei einem Elternteil verbracht wird, muss langsam ausgetestet werden. Das Modell sollte für Kinder und Eltern passen. Letztendlich profitieren die Kinder von einem stabilen und intakten Familienleben. Eine Scheidung oder Trennung muss weder ein Trauma noch ein starker Einschnitt in das Leben des Kindes sein.