Erstes Baby von drei biologischen Elternteilen geboren
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Vielleicht haben Sie es in den Nachrichten gesehen; am 6. April 2016 ist erstmals ein Baby (männlich) mit der DNA von drei Elternteilen geboren wurden. Manche halten diese Methode für riskant und umstritten, andere wiederum für ein revolutionäres medizinisches Ereignis, und nur im Vereinigten Königreich ist dieses Verfahren gesetzlich zugelassen worden.

Das Leigh-Syndrom, eine genetische Krankheit, die von der Mutter an ihr Kind weitergegeben werden kann

Vor der Geburt ihres kleinen Jungen hat das jordanische Paar an diesem bahnbrechenden Verfahren teilgenommen, nachdem es seit fast zwanzig Jahren versucht hat, mit herkömmlichen Mitteln ein Kind zu bekommen. Endlich wurde sie schwanger, nach zehn Jahren missglückter Versuche, wobei dies leider zur ersten von drei weiteren Fehlgeburten führte. Schließlich wurde im Jahre 2005 das erste Kind des Paares, ein kleines Mädchen, geboren. Leider war dies nicht das Ende ihrer Probleme – ihre Tochter starb im Alter von sechs Jahren. Der Grund? Sie trug eine genetische Mutation in sich, eine Krankheit, die das Nervensystem beeinträchtigen und sich bisweilen als tödlich herausstellen kann.

Das Paar fand heraus, dass die genetische Mutation auf das Leigh-Syndrom, eine Erkrankung der Mutter, zurückzuführen war. Ihr zweites Kind litt unter derselben Krankheit und verstarb nach nur acht Monaten an den Folgen.

Ungeachtet der Tatsache, dass sie ansonsten gesund ist, trägt die Mutter die Gene einer seltenen Erbkrankheit in sich – einer Krankheit, die sie an ihre Kinder weitergeben könnte. Die Folgen dieser Erkrankung treten normalerweise im ersten Jahr nach der Geburt auf, sind oftmals gravierend und können irreparable Schäden im Gehirn des Kindes und darüber hinaus an dessen Muskeln und Nerven verursachen. Kinder, die unter dieser Krankheit leiden, haben in der Regel eine Lebenserwartung von sechs oder sieben Jahren.

Das für die Krankheit verantwortliche Gen wurde in der DNA der Frau gefunden, genau genommen in ihren Mitochondrien, deren Hauptaufgabe es ist, die Zelle mit Energie zu versorgen. Die Forscher hatten dabei festgestellt, dass etwa ein Viertel der Mitochondrien die Mutation der Leigh-Erkrankung in sich trug.

Ein Verfahren, bei dem die Eizellen zweier Frauen und das Sperma eines Mannes genutzt werden

Das Ehepaar beschloss, sich an den Arzt John Zhang und sein Team im New Hope Fertility Center in New York City zu wenden.

Mithilfe einer neuen Technik, bei der die DNA von drei verschiedenen Personen verwendet werden, hat Zhang eine Möglichkeit gefunden, wie eine Frau trotz mitochondrialer Mutation schwanger werden kann.

Um der Mutter zu ermöglichen, gesunde Kinder zu haben, führten Zang und seine Mitarbeiter einen „Spindel-Kerntransfer“ durch; hierbei handelt es sich um einen mitochondrialen Transferprozess, der garantiert, dass die genetische Erkrankung nicht an das Kind weitergegeben wird.

Kurz gesagt: bei Doktor Zhangs Verfahren wurden die Mitochondrien der Mutter mit denen eines Spenders ersetzt. Zunächst entfernte er den Zellkern aus der mütterlichen Eizelle und setzte ihn in die gesunde Eizelle des Spenders sein, aus der zuvor ebenfalls der Zellkern entnommen worden war. Anschließend befruchtete der Arzt die Eizelle mit dem Sperma des Ehemanns. Der so entstandene Embryo hatte die DNA von drei verschiedenen Personen: von Mutter, Spender und Vater.

Nur einer von fünf Embryonen, die mit dieser Methode gebildet wurden, entwickelte sich erfolgreich. Wie bei der künstlichen Befruchtung (IVF) wurde der Embryo anschließend in den potenziellen Mutterleib implantiert. Neun Monate später wurde ihr kleiner Junge bei guter Gesundheit geboren.

Um zu vermeiden, dass das Kind die Krankheit entwickelt und erbliche mitochondriale DNA überträgt, haben die Fruchtbarkeits-Spezialisten einen männlichen Embryo verwendet. Das Team untersuchte das Kind, um sicherzugehen, dass es gesund war, und fand heraus, dass weniger als 1 % der Mitochondrien die Krankheit in sich trug. Dies waren gute Neuigkeiten für die Familie, schließlich ist der als gefährlich eingestufte Anteil der mutierten Mitochondrien normalerweise viel größer (etwa 18 Prozent).

Wo ist dieses Verfahren legal?

In den USA ist diese Methode nicht erlaubt. Um die Technik dennoch anwenden zu können, mussten Zhang und sein Team nach Mexiko, wo die Gesetzgebung flexibler ist. Das Vereinigte Königreich war (und ist) das einzige Land der Welt, das dieses umstrittene Verfahren zugelassen hat. Obwohl ein solches Verfahren zur Verbesserung der Fruchtbarkeit ethische Fragen nach sich ziehen mag, ist es doch zugleich auch ein Hoffnungsschimmer für viele Menschen, die eine genetische Krankheit in sich tragen und trotzdem Eltern werden wollen.